Das legendäre Theatercafé Damajuana wurde im April 1983
von José-Ramon Regueira und drei weiteren Partnern in der Calle del Pez 27 in
Madrid eröffnet. Mitten in einer Zeit, die später als historisch galt: „La
Movida Madrileña“. Wenige Jahre nach Francos Tod war in der spanischen
Hauptstadt die Kreativität regelrecht explodiert. Musiker, Bildende Künstler,
Tänzer, Autoren, Theaterschaffende trafen sich in den Bars und Theatercafés des
beliebten Stadtviertels „Maravillas“ und „Malasaña“. In dessen Zentrum das
Damajuana lag. Persönlichkeiten wie die Filmregisseure Carlos Saura und Pedro
Almodóvar, Schauspieler wie Paco Rabal, das Komiker-Duo „Pedro y Pablo“, aus
denen später der TV-Moderator Pedro Reyes und der Sänger der Band „Los Toreros
Muertos“ hervorgingen gaben sich in dem schönen Lokal die Klinke in die Hand.
Bilder von Jesús Sebastián: Duo Pedro y Pablo (links) und Ramón Regueira mit Gonzalo Prego und Unbekannt (rechts)
Der Besitzer und Sänger José-Ramón Regueira begeisterte das Publikum mit seinem sonoren Bariton und seinen galizischen und lateinamerikanischen Liedern und mitten drinnen agierte eine junge Deutsche als Public Relations, die alle „Ana de Damajuana“ nannten und deren echter Name Annette Meisl lautete. Annette besuchte innerhalb eines einzigen Jahres 80 Radiosendungen, in denen sie das Kulturprogramm dieses 200 Personen fassenden Theatercafés einem breiten Publikum vorstellte. Heute bleibt von dieser Zeit nur der Hauch einer Erinnerung...
Bei einem Besuch im Dezember 2025 in Madrid gelang es Annette wie durch ein Wunder, denSzenenfotografen der damaligen Zeit, Jesús Sebastián, ausfindig zu machen, der zwischen 1982 und 2000 über 90 000 Fotos vom damaligen Nachtleben angefertigt hatte und der ihr noch Fotos von damals zur Verfügung stellen konnte! Die Schwarz-Weiß-Negative hatten über 20 Jahre in einem Abstellraum des Clubs „Penta“ gelagert und zum Glück den Wirren der Zeit grösstenteils widerstanden. 30 000 Negative waren einem Wasserschaden zum Opfer gefallen, aber zum Glück konnte er die restlichen 60.000 retten und per Negativ-Scanner der Nachwelt zugänglich machen.Eine kleine Auswahl, die uns zurückkatapultiert in eine aufregende Zeit des kulturellen Aufbruchs seht ihr hier:
Bilder von Jesús Sebastián
Die vergessenen Fotos der Movida wurden vor einigen Jahren wieder entdeckt! Die gähnende Langeweile während der Pandemie benutzte Jesús Sebastían - der nun als Redakteur beim Spanischen Nationalradio Karriere machte, und scante von Hand Tausende und Abertausende von Negativen ein. Als ein befreundeter Journalist davon hörte, bot er ihm an, eine Ausstellung im renommierten Café Manuela zu organisieren. Dieses Café existierte bereits, als das Theratercafé Damajuana eröffnete. Und während das Theatercafé Damajuana nur einige Jahre lang das Madrider Nachtleben bereicherte, kann man im wunderschönen Café Manuela in der Calle San Vincente Ferrer noch heute den alten Zeiten nachsinnen. Kaum wurde bekannt, dass die historischen Foto erneut das Licht der Welt erblicken sollten, folgte eine breite Berichterstattung in den spanischen Medien. Unzählige Menschen tauchten bei der Vernissage auf, die Jesús seit den Achtzigern nicht mehr gesehen hatte. Ein unglaubliches Wiedersehen! Im unten stehenden Artikel findet Ihr weitere Informationen: